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Linus Pauling
28.02.1901 (Oswego/OR) - 19.08.1994 (Big Sur/CA)
Linus Carl Pauling war Sohn eines aus Deutschland eingewanderten Apothekers, der ein paar Jahre nach Paulings Geburt eine Drogerie in Condon, Oregon, eröffnete. Nach dem Tode ihres Mannes im Jahre 1910 sorgte Paulings Mutter als Managerin einer Pension allein für den Unterhalt der Familie.

Während seiner Schulzeit an der Washington High School in Portland unterstützte Pauling die Familie mit einer Reihe von kleineren Nebenjobs. Ein High School-Diplom blieb ihm versagt, weil er sich weigerte, vorgeschriebene Kurse zu belegen. Erst 1962, nachdem er den zweiten Nobelpreis gewonnen hatte, wurde ihm von seiner alten Schule das Diplom nachgereicht. Schon als Kind naturwissenschaftlich interessiert, studierte Pauling ab 1917 Physik, Mathematik und Chemie am Oregon State College (damals noch Oregon Agricultural College), wo er 1922 den Bachelor-Grad (B.S.) erhielt, und am kalifornischen Institut für Technologie in Pasadena, wo er 1925 zum Ph.D. in Chemie promovierte. Mit einem Guggenheim-Stipendium vervollständigte er seine Ausbildung an den Universitäten München, Kopenhagen und Zürich.

Seine wissenschaftliche Arbeit leistete Pauling in der Hauptsache am California Institute of Technology (Caltech) in Pasadena, das ihn 1922 in seinen Lehrkörper aufnahm. Von 1931 bis 1964 hatte er dort einen Lehrstuhl für Chemie inne. 1937-1958 war ihm auch die Leitung der dem Caltech angeschlossenen "Gates and Crellin Laboratories" übertragen worden eine der bedeutendsten chemischen Forschungsstätten der USA. Als Gastprofessor hat Pauling weiter am Institute of Technology in Massachusetts, an der Cornell- und an der Yale-Universität, an den Universitäten Chicago, Oxford, Buffalo, Princeton und Harvard gelehrt, um nur einige Hochschulen herauszugreifen. Im Krieg gehörte er in den Jahren 1942-1946 der Nationalen Studienkommission für Verteidigung und der Studienkommission für nationale Sicherheit an. 1963-1967 leitete Pauling das "Center for the Study of Democratic Institutions" in Santa Barbara/Kalifornien, wo er sich gleichermaßen seinen beiden Hauptinteressen, den Naturwissenschaften und dem Kampf für den Weltfrieden, widmen konnte. 1967 übernahm er eine Professur an der Universität von Kalifornien in San Diego, von 1969 bis zu seiner Emeritierung (1974) war er Professor an der Stanford University. Seine wissenschaftliche Arbeit setzte er am Linus Pauling Institute of Science and Medicine in Palo Alto (Kalifornien) fort. Das Institut wurde weitgehend aus privaten Zuwendungen finanziert, allerdings mußte es Anfang der 90er Jahre empfindliche Einbußen hinnehmen. Der Jahresetat schrumpfte von etwa 3,5 auf 2,5 Mio. US$, die Belegschaft wurde 1992 von 60 Mitarbeitern auf 26 Festangestellte reduziert. Schon in jungen Jahren (von 1930 bis 1935) hat Pauling durch entscheidende Arbeiten zur Frage der chemischen Bindung die Aufmerksamkeit der Fachwelt auf sich gelenkt. Bahnbrechend war dabei seine Übertragung quantenmechanischer Gesetze auf den Bereich der Chemie, die zu völlig neuen Aufschlüssen über die Natur der Bindungskräfte innerhalb der Moleküle führten. Sein Buch "Über die Natur der chemischen Bindungen" (1939) wurde eines der berühmtesten Werke der modernen Strukturchemie. Ab 1934 widmete er sich ganzen Reihen von Experimenten und theoretischen Forschungen in der Molekularbiologie und Medizin, u. a. untersuchte er magnetische Eigenschaften des Hämoglobins, die dreidimensionale Struktur der Proteinmoleküle, die Natur der serologischen Reaktionen, die Rolle des anomalen Hämoglobins beim Menschen in Verbindung mit bestimmten Krankheiten, die Bedeutung der Proteinstruktur für die Entwicklung der Arten und die Entwicklung einer Molekulartheorie der Anästhesie. Damit gehört er zu den Begründern der modernen Molekularbiologie, die mit seinen Erkenntnissen über die Spiralstruktur der Eiweißkörper einen ersten Höhepunkt erreichte. Für letztere wurde er 1954 mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet.

Seit den fünfziger Jahren war Pauling vor allem als radikaler Vorkämpfer gegen die Atomwaffentests aufgetreten und wurde daher gelegentlich "das Strahlengewissen Amerikas" genannt. In der McCarthy-Ära wurde er beschuldigt, unter kommunistischem Einfluß zu stehen. 1952 wurde ihm sogar vorübergehend der Auslandspaß entzogen. Schon 1958 übergab er der UN eine von ihm verfaßte und von mehr als 11.000 Wissenschaftlern aus 48 Ländern unterzeichnete Petition über die Einstellung der Versuche. Dafür kam er 1960 erneut vor einen Untersuchungsausschuß, weigerte sich aber zu sagen, wer ihm in wenigen Monaten die Unterschriften zusammentragen half. Das Moskauer Abkommen von 1963 über eine begrenzte Einstellung der Kernwaffenversuche ging nicht zuletzt auf sein Betreiben zurück und brachte ihm (im Okt. 1963) die nachträgliche Verleihung des Friedensnobelpreises für 1962 ein. Der zu radikalen Positionen neigende Pauling machte auch in den folgenden Jahren immer wieder auf sich aufmerksam. Aufsehen erregte seine seit 1968 vertretene These, Vitamin C in hohen Dosen biete nicht nur Schutz gegen Erkältungskrankheiten, sondern auch gegen Krebs. Wissenschaftlich umstritten ist dabei nicht der grundsätzlich vorbeugende und therapeutische Effekt bestimmter Vitamine, sondern vielmehr der Wirkungsgrad und die dafür zu veranschlagende Dosierung. Pauling selbst nahm jeden Morgen 10.000 Milligramm Vitamin C und 800 mg Vitamin E ein. Dies entspricht dem 133- bzw. 66fachen dessen, was die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) einem Erwachsenen pro Tag empfiehlt. Nach seinem 90sten Lebensjahr steigerte er die Tagesdosis auf 18.000 Milligramm Vitamin C, 1.200 Milligramm Vitamin E, 8.000 Mikrogramm Vitamin A und 1.000 Milligramm verschiedener Vitamine der B-Gruppe. Paulings Wahl vor allem der Vitamine C und E beruht auf deren Fähigkeit, sogenannte "Freie Radikale" (bei chemischen Reaktionen abgetrennte Molekülfragmente) zu binden und so zu verhindern, daß diese Zellen, Zellmembranen oder den Zellkern selbst (und damit die DNS-Codes) angreifen und verändern. In etablierten Wissenschaftskreisen wurden Paulings Vitamin-Theorien allerdings weitgehend belächelt und abgelehnt. Angefochten wurde auch seine These von den ernährungsbedingten Ursachen der Geisteskrankheiten. 1974 gehörte Pauling zu den Unterzeichnern einer Petition, die sich für einen Gnadentod bei hoffnungslos kranken Menschen aussprach. In späteren Jahren engagierte er sich mit der Friedensbewegung gegen die Nato-Nachrüstung und das amerikanische SDI-Programm, 1991 machte er mit einem von 42 Nobelpreisträgern unterzeichneten Appell an die Regierungen in Ost und West, den Krieg Restjugoslawiens gegen Kroatien zu unterbinden, auf sich aufmerksam.
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